Sicherheit · 14. September 2026
Schwach gesicherte Smart-Home-Geräte werden für Angriffe auf norwegische Infrastruktur missbraucht
Schwach gesicherte Smart-Home-Geräte wie Fernseher, Router, Kühlschränke und Kameras in norwegischen Haushalten werden kompromittiert und für Angriffe auf Websites und digitale Dienste genutzt. Diese Geräte dienen als Bausteine in Botnetzen, die norwegische Ziele treffen.
In den letzten Wochen hat Norwegen mehrere schwere DDoS-Angriffe erlebt, die sich gegen den öffentlichen Sektor und die nationale digitale Infrastruktur richteten. Betroffen waren unter anderem die Dienste ID-porten, Helsenorge und Altinn. Die Behörden versichern, dass die Angreifer nicht in die Systeme eingedrungen sind und keine sensiblen Daten gestohlen wurden. Fachleute bestätigen, dass es sich um reine Überlastungsangriffe und nicht um Datenabflüsse handelt.
Ein DDoS-Angriff ist grundsätzlich einfach und in den meisten Fällen ungefährlich. Eine Dienstleistung wird mit falschem Verkehr von Tausenden von Maschinen überflutet, bis sie unter der Last zusammenbricht. Niemand dringt in Systeme ein und niemand stiehlt Informationen. Die Dienstleistung wird lediglich für einen begrenzten Zeitraum, wie etwa einige Stunden oder Tage, unzugänglich. Dies verleitet dazu, die Vorfälle als bloße Störung abzutun, da eine abgemeldete Anmeldeseite nur ärgerlich, aber kaum eine Krise ist.
Im vorliegenden Fall handelt es sich jedoch um kritische Infrastruktur. Helsenorge wird täglich für die Behandlung von Gesundheitsinformationen und digitale Gesundheitsdienste genutzt. ID-porten ist der Einstieg in große Teile des digitalen Norwegen. Wenn solche Infrastrukturen unzugänglich werden, ist es nicht mehr nur ein IT-Problem. Der Cyberangriff auf die Identifikationslösung von Digdir machte es zeitweise unmöglich, Nachrichten über Digitoll zu senden. Was als Angriff auf einen digitalen Dienst begann, endete mit Staus von Lastwagen an der Grenze. Der digitale Angriff hatte somit physische Konsequenzen, die im äußersten Fall Leben und Gesundheit betreffen können.
Das Ziel dieser Angriffe ist selten die dauerhafte Zerstörung, sondern die Schaffung von Störung, Unsicherheit und im schlimmsten Fall der Vertrauensverlust in öffentliche Dienste. Die Ironie besteht darin, dass sehr oft unsere eigenen Maschinen für solche Angriffe verwendet werden. Wir bauen ständig mehr Schwachstellen in unsere Wohnzimmer, ohne zu bedenken, dass genau diese Geräte bei einem Angriff auf Norwegen zu einem Teil eines Botnets werden.
Das Problem kann nicht allein von der IT-Abteilung gelöst werden. Die Verantwortung liegt bei der Führungsebene. Dennoch wird das Thema Sicherheit in der Praxis oft heruntergespielt. Sicherheitsabteilungen werden aufgelöst und Sicherheitsrollen ohne echte Befugnisse besetzt. Fachexperten sitzen mit dem Wissen, aber nicht am Tisch, an dem Entscheidungen getroffen werden. Cybersicherheit ist keine technische Frage mehr, sondern ein Geschäftsrisiko, das auf Augenhöhe mit Finanzen, Ruf und Betrieb behandelt werden muss. Die Angriffe der letzten Wochen waren eine Erinnerung und kein Ausreißer. Das nächste Angriff kommt sicher. Die unbeantwortete Frage ist, ob die Führung und der Vorstand die Verantwortung ernst genommen haben, bevor dieser Tag kommt.