Daten · 26. Oktober 2026
Finanzmärkte entwickeln Derivate für KI-Rechenleistung und Token-Preise
Die CME Group und das US-amerikanische Startup Silicon Data arbeiten an der Einführung neuer Finanzprodukte, die auf den Preisen für KI-Rechenleistung und KI-Token basieren. Diese Initiative zielt darauf ab, die wachsende Bedeutung von Computern als strategische Ressource in der künstlichen Intelligenz zu nutzen und den beteiligten Unternehmen Instrumente zur Absicherung gegen Preisvolatilität zu bieten.
Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Organisationen wurde im August dieses Jahres öffentlich bekannt gegeben. Damals präsentierten sie einen Plan zur Schaffung eines Marktes für Futures auf GPU-Mietpreise. Als Referenzwerte dienen die Mietkosten für spezifische Grafikprozessoren von Nvidia, insbesondere die Modelle H100 und B200. Ursprünglich sollte der Handel am 5. Oktober beginnen, doch die US-amerikanische Commodities Futures Trading Commission verzögerte die Genehmigung aufgrund regulatorischer Prüfungen. Derzeit ist der 9. November als Starttermin vorgesehen, bleibt jedoch von weiteren Entscheidungen der Aufsichtsbehörde abhängig.
Neben den Hardwarekosten planen die Partner nun, auch die Preise für KI-Token in Finanzprodukte einzubeziehen. Token sind die Maßeinheiten, die KI-Modelle wie ChatGPT oder Claude zur Verarbeitung von Daten verwenden und für die Unternehmen Gebühren zahlen. Silicon Data betreibt bereits einen Index, der die durchschnittlichen Kosten für diese Token über verschiedene Modelle hinweg misst. Das neue Produkt soll es Investoren ermöglichen, auf die Entwicklung dieser Preise zu spekulieren oder sich gegen deren Schwankungen abzusichern.
Die Notwendigkeit solcher Instrumente ergibt sich aus der hohen Volatilität und den erheblichen Kosten im KI-Sektor. Die Beschaffung von Rechenleistung erfordert nicht nur teure Hardware, sondern auch leistungsfähige Rechenzentren und Strom. Die Mietpreise für GPUs schwanken stark, was sowohl für KI-Entwickler als auch für Rechenzentrumsbetreiber ein Risiko darstellt. Carmen Li, Gründerin von Silicon Data, wies darauf hin, dass es bisher keine transparenten Vergleichsmaßstäbe gab, um festzustellen, welche Unternehmen welche Konditionen erhalten.
Die Preise für KI-Token sind in den letzten Monaten deutlich gesunken. Laut Daten von Silicon Data fiel der Durchschnittspreis seit dem Höhepunkt Ende Mai um 54 Prozent. Eine separate Analyse von Lamp, einem Anbieter für Ausgabenmanagement, bestätigte einen Rückgang von 48 Prozent seit Februar. Obwohl die Nutzungsmenge durch Unternehmen steigt, bleiben die Gesamtausgaben aufgrund der sinkenden Preise pro Token weitgehend stabil. Dies stellt ein Risiko für die Einnahmen der KI-Dienstleister dar.
Das vorgeschlagene Finanzinstrument funktioniert ähnlich wie Öl- oder Gas-Futures. Ein KI-Unternehmen, das befürchtet, dass die GPU-Mietkosten von zwei auf vier Dollar pro Stunde steigen, kann einen Future kaufen. Steigen die Preise tatsächlich, gleicht der Gewinn aus der Finanztransaktion die höheren Betriebskosten aus. Umgekehrt können Rechenzentrumsbetreiber sich gegen fallende Mietpreise absichern. Banken und spezialisierte Investmentfirmen können ebenfalls teilnehmen, ohne selbst Hardware zu besitzen.
Die Entwicklung spiegelt eine breitere Trendwende wider, bei der Rechenleistung als neue Rohstoffklasse betrachtet wird. Don Wilson, Gründer des frühen Investors DRW, betonte, dass die rasche Zunahme der Investitionen in Rechenzentren bisher durch das Fehlen von Risikomanagement-Tools behindert wurde. Nvidia hatte zuvor bereits angekündigt, zusammen mit sechs großen Finanzinstituten über 500 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur zu beschaffen. Jensen Huang, CEO von Nvidia, bezeichnete Rechenleistung als direkten Umsatztreiber. Sam Altman von OpenAI fügte hinzu, dass eine Verdopplung der Rechenkapazität zu einer Verdopplung des Umsatzes führen würde. Trotz dieser Optimismus bleibt unklar, ob der neue Markt genügend Liquidität und Teilnehmer finden wird, da GPU-Werte schnell veralten und Vertragsbedingungen variieren. Die genauen Strukturen und Zeitpläne für die Token-Produkte sind noch nicht endgültig festgelegt.